Das Dorf Võuküla

Das Dorf Võuküla oder Võukülä liegt im Landkreis Põlva, in der Gemeinde Räpina. Die Fläche des Dorfes beträgt 9,54 km2 (3,59% der Fläche der Gemeinde Räpina). Das Dorf liegt an beiden Ufern des Flusses Võhandu. Laut Gemeinderegister leben in Võuküla 72 Menschen (Stand 01.08.2012). 21 Wohnhäuser sind das ganze Jahr über bewohnt (Stand 2006).

Das Dorf Võuküla hat seinen Namen nach dem Fluss Võhandu, Voo oder Võu bekommen. Das Dorf wurde 1582 zum ersten Mal erwähnt. Damals wurde es Woia genannt und im Dorf habe es sieben Gehöfte gegeben.

Eines der bekanntesten Objekte in Võuküla ist der Burgberg mit dem Namen Kindralihaud (Grab des Generals). Der Burgberg liegt vom Dorfzentrum etwa ein Kilometer stromabwärts am linken hohen Ufer des Flusses Võhandu. Der Burghof ist von einem halbbogenförmigen Wall umgeben und grenzt an das steile herabgeböckelte Flussufer. Nach äuβeren Merkmalen sind die Wissenschaftler zur Schlussfolgerung gekommen, dass die Burg aus dem 2. Jahrhundert stammt und dass es eher um eine Kleinburg aus der Vikingerzeit, als eine Schutzeinrichtung aus der späten Eisenzeit handelt, denn die Kulturschicht ist dünn oder existiert gar nicht. Alte Leute berichten über den schwedischen General Kolberg, der auf dem Burgberg samt mit seinem prächtigen goldenen Degen begraben worden sei. Nach einer anderen Überlieferung öffnet sich in der Pfingstennacht um 12 Uhr das Erdinnere und der Weg zu einem groβen Schatz ist frei.

Jaan Vahtra schreibt im Jahre 1937 in seiner Erzählungssammlung „Metsajärv“ (Waldsee) über seinen Võu-Onkel oder über den Bruder seines Vaters in Võuküla. Er hieβ Kaarli Konsand, in Võuküla wurde er Kondsa-Kaarli genannt. Er habe 25 Jahre als Soldat in Russland verbracht und am Türkischen Krieg teilgenommen. Er konnte Fremdsprachen, hatte die halbe Welt durchreist und besaβ viele Bücher.

Es ist bekannt, dass in Võuküla 1815 eine Dorfschule arbeitete, wo als Schulmeister der Einheimische Konsa Jakob tätig war. 1848 war es mit 136 Kindern die gröβte Dorfschule in der Gemeinde Räpina. Zerna Tõnu erinnert sich an die Geschichte, die sein Vater erzählt hat: Peedo Zernask (geboren 1810) war gerade beim Pflügen. Der Gutsherr fuhr vorbei, hielt das Pferd an und fragte: „Kannst du lesen?“ Peedo antwortete: „Ja, ich kann lese!“. „Kannst du Rechnen?“ „Ja!“ „Singen?“ „Ja!“ Peedo nahm seine Mütze vom Kopf und sang ein Kirchenlied. Der Gutsherr sagte: „Im nächsten Winter wirst du in unserem Dorf Schulmeister sein.“ 1939 wurde die Schule von Võuküla ins Haus von Hakmann, in die Nähe des Bahnhofs von Ruusa übersiedelt und in ein paar Jahren bekam sie den Namen Ruusa.

Einer der bekanntesten Männer in Võuküla war Johannes Mälton. Er wurde am 8. September 1881 geboren, machte eine Ausbildung zum Arzt, arbeitete ab 1912 als Kreisarzt in Võru, war ab 1928 Vorsitzender des Ärztevereins in Võru, Hilfsdirektor des Gesundheits- und Fürsorgeamts des Sozialministeriums der Estnischen Republik und Mitglied des Rates für bürgerliche Luftverteidigung. Johannes Mälton wurde 1921 das Verdienstzeichen des Estnischen Roten Kreuzes (III Klasse), 1927 das Verdienstzeichen des Estnischen Roten Kreuzes (II Stufe, II Grad) und 1938 das Verdienstzeichen des Weiβen Kreuzes (III Klasse) verliehen.

Der Hof von Kuusiku ist der Geburtsort des Komponisten, Pianisten und Malers Malle Mägi. Ihre Groβeltern Joosep und Mari gaben den Hof von Sulsi ihren Kindern zur Verfügung und kauften für sich den Hof namens Kuusiku, wo am 15. November 1904 in der Familie von Hindrik Suurmann die Tochter Marie Magdalene Suurmann, die später unter dem Namen Malle Mägi bekannt war, als viertes Kind geboren wurde. Sie studierte am Konservatorium in Tallinn, wo sie die Klavierklasse von Artur Lemba besuchte. 1943 begab sie sich zwecks Fortbildung nach Wien und Berlin, kam später nach Estland zurück, war aber bald gezwungen, vor der immer näher rückenden Front nach Westen zu fliehen. Malle Mägi setzte ihr Malerei- und Musikstudium in Amerika fort. In ihrer Doktorarbeit analysierte sie die Struktur der estnischen Volkslieder und ihren Zusammenhang mit dem ursprünglichen Text. Viel Zeit widmete sie der Malerei. Zum 200. Jahrestag der Entdeckung Amerikas wurde dem Präsidenten Amerikas G. Ford das Gemälde mit der Überschrift „Trommler John“ geschenkt, auf dem Malle Mägi einen von den ersten estnischen Einsiedlern vom Jahr 1654, einen Mann namens John Schallbrick, dargestellt hat. In den 1990er Jahren besuchte Malle Mägi mehrmals die Orte im ehemaligen Kirchspiel Räpina, z. B. Kanasaare und Võuküla, wo sie ihre Jugendjahre verbrachte. Lehvi Samuel hat eine Forschungsarbeit über Malle Mägi geschrieben. Malles Vater und Lehvis Groβvater waren Brüder. Die letzten Bewohner auf dem Hof waren Pari Mart oder Peedosli Martin und seine Ehefrau. Jetzt sind die alten Gebäude abgerissen.

Aus Võuküla stammt noch ein Musiker. Auf dem Hof von Kalti, wo heute Tiia Tarassov mit ihrer Familie wohnt, wurde am 22.Oktober 1924 der Dirigent und Musiklehrer Sulev Kald geboren. Er studierte bei Richard Ritsing an der Musikschule in Tartu, absolvierte die Schule und setzte sein Studium in Moskau fort. Er arbeitete als Dirigent und Musiklehrer in Võru und Tartu, war mehrmals als Hauptleiter der Schüler-Sängerfeste tätig, hat Chor- und Sololieder geschrieben.

Am Anfang der 1990er Jahre kam Mae Raudsepp, die ehemalige Leiterin der Produktionsvereinigung Almeta aus Tartu nach Võuküla zurück, um auf dem Hof von Kalda ein Ferienhaus einzurichten. Der Hof hatte früher ihrem Onkel Edgar Kaldi gehört. Dank ihrer unermüdlichen Energie blühte das Geschäft: es gab viele Besucher. Auf dem Hof gab es mehr als zehn Zuchtpferde, Ponys, Ziegen, Schafe und eine Menge Geflügel, insgesamt beinahe 300 Stück. Eine Novembernacht im Jahre 2004, als ein Knecht die Hand gegen seine Arbeitsgeberin hob, endete tödlich für Mae Raudsepp: es bedeutete auch das Ende des Ferienhauses.

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