Das Dorf Toolamaa

Das Dorf Toolamaa ist der Fläche nach eines der kleinsten Dörfer in der Gemeinde (4,66 km2, d. h 1,75% der Fläche der Gemeinde Räpina), aber der Bevölkerungsdichte nach eines der am dichtesten besiedelten Dörfer (ca 10,3 Menschen per km2). Die Einwohnerzahl des Dorfes beträgt laut Gemeinderegister 44 Menschen, 52% sind Männer und 48% Frauen (Stand 01.08.2012). Durch das Dorf führen zwei Landstraβen: Tartu-Värska und Toolaamaa-Kureküla. Höfe liegen meistens in der Nähe der staatlichen Straβen. Busverbindung mit dem Gemeindezentrum Räpina und Kreiszentrum Põlva ist gut (Buszeiten www.peatus.ee). Das nächste Geschäft liegt 2,6 entfernt im Dorf Leevaku, die nächste Schule, Räpina Ühisgümnaasium und der Kindergarten 6 km entfert in Räpina.

Die Geschichte des Dorfes Toolamaa

Das Gut von Toolamaa (deutsch Tolama) wurde zu einer selbstständigen Wirtschaftseinheit im Jahre 1810. Früher war Toolamaa eine Hoflage des Gutshofes Räpina. Das Hauptgebäude des Gutes ist ein auf einem hohen Steinsockel stehendes archaisches Holzgebäude mit einem Mansarddach. Schätzungsweise stammt das Gebäude aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, einige Gebäudeteile sogar aus dem 17. Jahrhundert. Nach der Erlangung der Selbsständigkeit (1810) wurde das Gebäude ein wenig umgebaut. Aus dem 19. Jahrhundert stammen auch viele klassizistiscche Nebengebäude, von denen die meisten sich am zum Hauptgebäude führenden Weg befinden. (http://www.mois.ee/voru/toolamaa.shtml).

Der Gutshof hat zu verschiedenen Zeiten viele Inhaber gehabt. 1850-1875 war der Inhaber des Gutshofes ein Mann namens Schmidt. Er stammte aus einer Kaufmannsfamile, war geschickt und menschenfreundlich. Er wollte zu allen Dorfbewohnern gute Beziehungen haben und begann Höfe an Bauern zu verkaufen (1864). In die Gemeinde Toolamaa kamen in dieser Zeit mehrere Familien aus den Kreisen Pärnu und Viljandi. Gleichzeitig mit Schmidt zogen aus Vändra nach Toolamaa drei Brüder (Familienname Kalt) und kauften in Võuküla Höfe. Etwa um dieselbe Zeit kamen noch 2-3 Familien aus dem Kreis Viljandi, um hier Höfe zu kaufen.

1875 verkaufte Schmidt den Gutshof an Ludwig Hammer, der der Inhaber des Gutshofes bis zur Durchführung der estnischen Landreform 1919 war. Gustav Tanning schreibt in seinen Erinnerungen, dass vor Schmidt in Toolamaa ein sehr böser Gutsherr geherrscht habe. Im Volksmund ist er bis heute „der böse Järstu“ (der richtige Name des Gutsherrn ist nicht bekannt). Järstu sei ein brutaler Mann gewesen, habe den Menschen erbarmungslos Prügelstrafen verordnet. Sein Handlanger sei damals der bekannte Gutsvogt Joosep Ootsing gewesen, der noch barbarischer und blutgieriger gewesen sei, als sein Herr. Für die kleinsten Verstoβe wurden die Menschen am Gutshofstall windelweich geschlagen. Wegen einer kleinen Verspätung von ein paar Minuten wurde der Fronarbeiter weggejagt – am nächsten Morgen sollte er früher da sein. Für seine treuen Dienste schenkte der Gutsherr ihm einen Hof in Leevaku – der Hof trägt heute den Namen Serna. In demselben Hof lebte früher ein Bauer namens Serna, der den Hof verlassen musste, um dem „ehrwürdigen“ Gutsvogt Platz zu machen.

Ereignisse im Gutshof Toolamaa im Jahre 1905

Gustav Tanning schreibt über die Unruhen im Jahre 1905 folgendes: In Leevaku wurde der Bierladen verbrannt und der Brennweinladen angezündet, der letzte aber wurde mit Hilfe von Polizei und Einheimischen gelöscht. In derselben Zeit prügelten die Rebellen den lokanen „Urädnik“ namens Telling. Im Gutshof drangen die Rebellen in die Spiritusfabrik und in den Bierkeller ein. Jeder durfte so viel trinken, wie er konnte. Auch der Bierkeller wurde leer getrunken. Wenn sie genügend Alkochol getrunken hatten, gingen sie zum Gutsherrn Hammer und forderten die Erhöhung der Löhne. Sie gerieten in einen heftigen Streit und die betrunkenen Arbeiter überfielen Hammer und verursachten ihm schwere Körperverletzungen. Es geschah am Sonntag. Am nächsten Abend war die Strafkompanie aus Võru da. Die Schuldigen wurden erwischt und im leer getrunkenen Bierkeller eingeschlossen. Am nächten Tag wurden 14 Männer zugeschnürt nach Võru gebracht. Manche von ihnen entkamen der Strafe, manche aber mussten längere Zeit im Gefängnis sitzen. Die gröβte Strafe für die Rebellen von Toolamaa war eine zweijährige Gefangenschaft.

Das Leben in Toolamaa 1940-1993

Im Jahre 1940, in Verbindung mit der Verstaatlichung des Bodens und der Kollektivisierung der Produktionsmittel, wurde in Toolamaa mit der Gründung von Kollektivwirtschaften angefangen. Im Dorf Toolamaa wurde 1949 der Kolchos Tulevik gegründet. Im ehemaligen Deputatistenhaus, das Jaan Möller gehörte, fand eine Volksversammlung mit Vetretern des Exekutivkomitees statt, wo der ehemalige Hofbesitzer Jaan Möller, der eine Ausbildung zum Gärtner hatte, zum Kolchosvorsitzenden gewählt wurde. Zur Rechnungsführerin wurde Pärja-Renate Lajal gewäht, die 1950 auch einen Kurs für Rechnungsführer von Kolchosen in Võru besuchte und absolvierte. Tiere wurden in den Stall von Möller gebracht. 1950 wurde der Kolchos Tulevik laut Anordnung des Exekutivkomitees mit dem Kolchos Lembitu zusammengeschlossen. In dieser Periode wurde das Wohnhaus des Hofes Ojavere zu einem Schweinestall umgebaut. 1960 wurde aus diesen Kolchosen der Kolchos „Ranna“ gegründet und auf dem ehemaligen Grundstück von Möller ein Stall für 100 Milchkühe gebaut, mo man auch Milch kaufen konnte. In den 1970er Jahren wurden die Milchkühe nach Linte, in die groβe Viehzuchtfarm Tammistu konzertriert und der Milchviehstall von Toolamaa wurde zu einem Jungviehstall umgebaut.

Die ehemalige Branntweinbrennerei von Toolamaa, in der während des Krieges und danach aus den Kartoffeln, die von den Bauern gekauften wurden, Branntwein hergestellt wurde, wurde in den 1960er Jahren vom Indusrie- und Handelskombinat der Verbraucherzentrale des Bezirkes Räpina verwaltet. Man hatte das Ziel, die Brennerei zu einer Konservenfabrik umzubauen, damit Obst- und Gemüsekonserven hergestellt werden konnten. Da die Bewirtschaftung der ehemaligen Brennerei schwer war, wurde sie 1961 dem Sowchos-Technikum von Räpina übergeben. Das Sowchos-Technikum fing an, Gemüsekonserven und Konservensuppen und aus den Beeren Limonade herzustellen. Die Konservenfabrik arbeitete bis 1992, wenn in Verbindung mit der Landwirtschaftsreform das Sowchos-Technikum in Räpina reorganisiert und das Gebäude enteignet wurde. 1993, nach der Reorganisierung des Kolchos „Ranna“ wurden der Jungviehstall und die Konservenfabrik in Toolamaa leer.

In dem staatlichen Register der Kulturdenkmäler sind folgende Objekte des Dorfes Toolamaa getragen:

Brennwein-Lagerort des Gutshofes Toolamaa

Die Schmiede des Gutshofes Toolamaa

Deputatistenhaus und Stall des Gutshofes Toolamaa

Der Keller des Guthofes Toolamaa

Das Hauptgebäude des Gutshofes Toolamaa

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