Das Dorf Ristipalo

Das Dorf Ristipalo liegt im Landkreis Põlva, in der Gemeinde Räpina. Die Fläche des Dorfes beträgt 6,02 km2 (2,26% der Fläche der Gemeinde Räpina). Laut Gemeinderegister leben in Ristopalo 260 Menschen (Stand 01.08.2012) – weniger als in Linte. 27 Wohnhäuser sind das ganze Jahr über bewohnt (Stand 2006).

Das Dorf Ristipalo trug früher den Namen Lokuta. Es ist eine Schlachtstelle des Nordischen Krieges. Ein Hügel in Ristipalo trägt den Namen Puškinamägi, weil dort während des Krieges russische Kanonen gestanden hätten. Vor der Schlacht bei Narva eroberten die russischen Truppen, die aus Petseri (Petschory) kamen, auch Räpina, aber zogen dann zurück. Der Versuch der Schweden Petseri zu erobern, misslang. Als Karl XII1701 mit seinen Truppen in Richtung Riga zog, versuchte B. P. Šeremetev Livland unter seinen Einfluss zu bekommen. Das Hauptquartier von W. A. Schlippenbach lag in Kirumpää. Räpina war einer der schwedischen Stützpunkte. Am 4. September 1701 überfiel eine russische Truppe mit 1100 Kriegern in der Nähe von Räpina eine 500-köpfige schwedische Truppe, die den Fluβübergang von Võhandu unter seiner Kontrolle halten wollte. Die Schweden unter Leitung des Majors A. L. Rosen verlieren 300 Männer. Obwohl die Russen bei Rõuge und Kasaritsa eine Niederlage erlitten, zog der Generalmajor Schlippenbach nach Erastvere, nachdem er Räpina verloren hatte. Im Krieg wurden die Kirche von Räpina, Gutsgäude und mehrere Dörfer zerstört. Die Schrecken des Krieges wurden durch die Pest zusätzlich verschlimmert.

Um 1710. wurde dieses Gebiet durch Raskolniki, die in Russland bedrängt wurden, besiedelt. Dazu wurde ihnen eine Erlaubnis vom Generalgouverneur A. D. Mensikov erteilt. Gemeinsam mit Deserteuren, die hier Zuflucht suchten, wurde Ackerbau und Fischfang getrieben. Nach einiger Zeit verlieh Peeter I dieses Land dem Grafen Jagubinksi, der das Gut weiter verkaufte. Als der Ort durchsucht wurde, um die Deserteure zu fangen, verlieβen auch die Mönche den Ort.

Im Dorf Lokuta (heute Ristipalo) wurde 25.01.1909 der Dichter und Heimatforscher Hennu Hirmo geboren (gestorben 20.10.1987, begraben auf dem Friedhof in Ristipalo). Von ihm sind eine kleine Gedichtsammlung – „Ajahammas“ (Zahn der Zeit) (1976-77) und ein Prosabuch – „Mälestusi Võõpsust“ (Erinnerungen an Võõpsu) (1858-1983) erschienen.

In Ristipalo liegt das Zentrum des ehemaligen Forstwirtschaftbetriebes, der 1947 gegründet wurde und bis zum Jahr 1966 den Namen Veriora, später aber den Namen Räpina trug. Heute sind in Ristipalo eine Waldschule, das Büro der südwestlichen Region des Staatlichen Fortsamtes Estland und ein Pansionat.

Sehenswürdigkeiten

Im Dorf Ristipalo liegt ein Friedhof, der den Lutheranern von Räpina 1848 zur Verfügung gegeben wurde. Hier liegen die Gräber vieler Familien aus Räpina und Umgebung.

Die Hügelgräber von Ristipalo liegen im Wald gegenüber des Friedhofs. An der Landstaβe, unweit der Hügelgräber wachsen zwei uralte Kiefern. Die Hügelgräber stammen aus der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts.

Im Dorf Lokuta, an der rechten Seite der Landstraβe Räpina–Võõpsu wächst eine geschützte dekorative Kiefer, deren Umfang 4,35 m und Hähe 28 m beträgt.

Birkenallee an der Landstraβe Võõpsu

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den Jahren 1950-1960 wurden in Estland viele Alleen angelegt. Auf die Bepflanzung der Ortschaften und Städte wurde wieder viel Aufmerksamkeit geschenkt, denn so konnte man schnell „die Kriegswunden“ der Landschaft heilen. In der Gegend von Räpina wurde im Rahmen der Kampagne eine Birkenallee an der Landstraβe Võõpsu, von der Grenze Räpina bis zum Friedhof in Ristipalo angelegt. Tiina Tallinn schreibt im Buch „Räpina pargid ja aiad“ (Parks und Gärten in Räpina), das 2011 erschien, über die Birkenallee an der Võõpsu-Landstraβe folgendes: „Im Herbst 1959 wurden in einem jungen Wald auf dem Territorium des Sowchos Orava 400 junge Bäume ausgegraben und gemeinsam mit ihren Erdbällen am Standort stehen lassen, bis der Boden gefroren war. Am Ende desselben Jahres wurden die 5-6 m hohen Bäume an die Landstraβe gebracht, wo seit Herbst die Pflanzgruben auf sie warteten. Im Frühling wurde die Erde um die Baumwurzeln verdichtet und die Bäume gestützt. Es war etwas ganz Fremdes für die Leute, dass im Winter Bäume gepflanzt wurden, sie lachten darüber und hielten es für eine fällige Absonderlichkeit der Sowjetzeit. Die Einheimischen nannten die Allee „Võõpsuskii prospekt“. Die Birken aber gediehen gut und damals für die Prächtigkeit angelegte Allee hat es möglich gemacht, die Landstraβe bei Bedarf zu verbreitern. 2009 wurde neben der Allee auch ein Radweg angelegt.

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