Das Dorf Linte

Eines der gröβten Dörfer in der Gemeinde Räpina ist Linte. Die Fläche des Dorfes beträgt 11,79 km2 (4,43% der Fläche der Gemeinde Räpina). Das Dorf Linte hat auch die gröβte Einwohnerzahl in der Gemeinde Räpina, laut Gemeinderegister leben im Dorf 253 Menschen (Stand 01.08.2012). 47 Wohnhäuser sind das ganze Jahr über bewohnt (Stand 2006).

Dieses Gebiet war schon vor mehreren Hundert Jahren besiedelt. Davon bezeugt heute eine alte Opferstätte in Luhamäe. Das Dorf Linte (Limita) wurde 1582 zum Mal in der polnischen Landrevision Livlands erwähnt. Damals trug das Dorf den Namen Limita. Nach den letzten Angaben aber hat man beim Lesen der handschriftlichen Texte einen Fehler gemacht: eigentlich war der historische Name von Linte Linuta. Nach einer Legende haben die Weisen des heiligen Hains oben auf dem Berg Arumägi nach der Flugrichtung der Vögel die Zukunft vorhergesagt. Deshalb habe der Berg den Namen Lindemägi (lind – Vogel) und das Dorf den Namen Linde bekommen – daraus ist der Name Linte entstanden. Später, als im heiligen Hain von Lindemäe eine Opferstätte eingerichtet wurde, hätten sie dort eine Frau namens Maarja als Gebet-Pope gehabt. Deshalb bekam der Hain den Namen Maarjahiis und und der Berg den Namen Maarjamägi. Angeblich befand sich auf diesem Berg eine Bauernburg, später ein Friedhof. Vor dem Nordischen Krieg waren Estland und Livland von Hungersnot und einer groβen Epidemie betroffen. Viele Menschen starben. Epidemieopfer wurden auch auf dem alten Friedhof auf dem Berg Maarjamägi in Linte begraben. In der Periode zwischen zwei Weltkriegen wurde auf dem Maarja-Berg Kies gewonnen und dabei wurden im Kies viele Menschenknochen gefunden. Zuletzt hat die Gemeindeverwaltung die Kiesgewinnung verboten. In der Sowjetzeit hat man an der anderen Seite des Berges wieder mit Kiesgewinnung angefangen, so hat man den meisten Teil des Maarja-Berges oder des ehemaligen Hainberges weggetragen.

Am Anfang des 18. Jahrhunderts lebte auf dem Territorium des Dorfes Linte eine Altgläubigen-Kolonie. Sie gründeten hier eine Dorfschule, um ihren Kindern Elementarbildung zu geben. Diese Schule war bekanntlich die erste im Gebiet Räpina. Im Gebäude des ehemaligen Gesellschaftshauses in der Nähe der heutigen Motocrossbahn befand sich die Schule in den Jahren 1859-1900. In der Nähe von Luhamäe befand sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Wirtshaus.

Die Entwicklung des heutigen Linte, dessen Zentrum die 1923 erbaute Molkerei von Linte wurde, wurde durch die Gründung der Milchgesellschaft von Räpina-Linte (1912) stark beeinflusst.

Wenn die Bauern wohlhabender wurden, bauten sie neue Ställe und kauften technische Geräte, nun brauchte man auch mehr Ackerland. 1927 wurde die Wassergesellschaft Räpina-Linte gegründet, deren Mitglieder alle Bauern werden sollten, deren Land sich am Hauptentwässerungsgraben befand. 1935 wollte der damalige Leiter der Molkerei Juhan Uibopuu die Qualität der Milch verbessern und legte erhöhte Anforderungen an die empfangene Milch fest. Man konnte aber die Milchqualität nicht auf ein Niveau bringen, um am Wettbewerb für Milchqualität in Berlin teilzunehmen. Offensichtlich war an der niedrigen Milchqualität Schuld auch das Alkoholgeschäft, das sich gleich neben der Molkerei befand und die Arbeitsqualität negativ beeinflusste.

In der Zeit der Kollektivwirtschaften dehnte das Dorfzentrum von Linte sich auf das Land des Hofes Höörberg aus, in Linte wurden 5 groβe Wohnhäuser und ein neues Geschäft gebaut. Die Büroräume des Kolchos zog in Höörbergs Haus und die Scheune des Hofes wurde zu einem Kulturhaus umgebaut. So wurde Linte ein Kulturzentrum. Nach Linte kamen auch Laienkünstler aus ferneren Dörfern. 1974 wurde in Linte ein neues Kulturhaus gebaut, in dem es einen Saal mit 400 Plätzen gab. Im Kulturhaus gab es viele Veranstaltungen, aus ferneren Orten wurden die Menschen mit Bussen zum Kulturhaus geholt. Zur Förderung des Kulturlebens wurde ein Mensch angestellt, der verschiedene Veranstaltungen organisierte. Es gab Theatervorstellungen, Konzerte, Tanzabende. In der Sowjetzeit war das Dorf Linte ein unter den Landleuten bekanntes Kulturzentrum. Auf der Bühne des Kulturhauses traten viele damalige estnische Stars auf, Theater machten Gastspiele, zwei Mal in der Woche wurden Kinofilme gezeigt. Nach Wiedererlangung der Selbständigkeit Estlands blieb das Kulturhaus leer und wurde an eine Möbelfirma verkauft. Es hat das kulturelle Leben des Dorfes schwer betroffen.

Die Geschichte der Bücherei geht auf das Jahr 1921 zurück, wenn es im Dorf Naha einen Jugendverein gab (wurde 1920 gegründet), an dem eine Bücherei arbeitete. 1957 zog die Bücherei nach Linte und heiβt seit dieser Zeit die Bücherei von Linte. Auch heute gibt es in der Bücherei Bücher, die einen Stempelabdruck der Volksbücherei Naha tragen.

1994 wurde in Linte der Grundstein für eine traditionsreiche Veranstaltung gelegt – für Motocross von Räpina. Diese Veranstaltung ist populär unter Menschen von nah und fern. Die Motocrossbahn wurde von dem Motoklub MTÜ Kagu auf dem Land des ehemaligen Hofes Tolsta angelegt. Zwei Mal im Jahr finden hier internationale Wettkämpfe statt.

Aus Linte stammen z. B Lehrer, Gärtner, Imker und Sammler alter Bücher Hendrik Heering (1885-1973) und der bekannte Chorleiter Paul Krigul (1910-1980). Von den Menschen der heutigen Generation ist vielleicht der Politiker Margus Leivo am bekanntesten. Im Dorf Linte beschäftigt man sich mit der Produktion der Blockhäuser und Möbel, auβerdem gibt es dort eine Reihe von Landwirtschaftsunternehmen. In Linte gibt es ein Geschäft, wo man das Nötigste für das Leben kaufen kann, für gröβere Einkäufe aber fährt man nach Räpina oder noch weiter.

Ein wenig Unterhaltung und Möglichkeit zum Selbststudium bietet den Dorfbewohnern das Gesellschaftshaus mit der Bücherei, die in einem Gebäude, das 2008 fertig wurde, ihre Räume haben.

2006 gründeten die Dorfbewohner von Linte zur Förderung des Dorflebens MTÜ (MTÜ – der gemeinnützige Verein) Lisje, der Projekte geschrieben und erfolgreich Geld zur Verwirklichung mancher Träume beantragt hat. Unterstüzt durch ein Projekt von MTÜ Lisje wurde im Dorf ein Handarbeitszirkel gegründet, der den Dorfbewohnern eine gute Möglichkeit bietet, gemeinsam Handarbeit zu machen. Bestimmt sind die Einwohner von Linte auch stolz darauf, dass hier 2007 die Tradition der Dorftage der Gemeinde Räpina ins Leben gerufen wurde.

Sehenswürdigkeiten

Auf dem Berg Maarjamägi wächst ein Baum, der unter Naturschutz steht – es ist die Opferlinde von Maarjamäe. Nach Hendrik Relve betrug 2001 die Höhe des Baumes 19 m und der Umfang 385 cm. Die Einheimischen haben den Baum im lokalen Dialekt „Maarjamäe pähn“ genannt.

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