Das Dorf Leevaku

Das Dorf Leevaku liegt im Landkreis Põlva, in der Gemeinde Räpina. Die Fläche des Dorfes Leevaku beträgt 12,30 km2 (4,62% der Fläche der Gemeinde Räpina). Die Einwohnerzahl des Dorfes beträgt laut Gemeinderegister 162 Menschen (Stand 01.08.2012). 39 Wohnhäuser sind das ganze Jahr über bewohnt (Stand 2006).

Nach einer Legende stammt der Name des Dorfes aus uralten Zeiten, wenn von Nachbarn glühende Kohlen mit einem Kohlenbecken, in der estnischen Sprache „leevakk“ geholt wurden. Daraus kam der Name des Dorfes Leevaku. In den historischen Urkunden wurde Leevaku 1582 zum ersten Mal erwähnt. Damals hieβ das Dorf Liewaka. 1738 lebten in Leevaku 10 Bauernfamilien. 1819, nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Bauernbefreiung in Livland wurden immer mehr Bauern in Leevaku Eigentümer ihrer Höfe. Im Jahre 1915 war diese Zahl 63 und die durchschnittliche Gröβe der Höfe betrug 37 ha.

Viele kennen Leevaku dank dem Poem von Juhan Smuul „Järvesuu poiste brigaad“, in dem der Autor den Schnellbau des Wasserkraftwerkes vom Komsomol beschreibt. Bekanntlich aber wurde die erste Wassermühle in Leevaku 100 Jahre früher gebaut – im Jahre 1835. 1893 arbeiteten schon Mehl- und Sägemühlen, auch konnte man hier Wolle krempeln. In der Manufaktur, die in den 1880er Jahren gegründet wurde, wurden Stoff für Soldatenmantel und Bettdecken produziert – beides für die russische Armee. 1905, als die Fabrik in zwei Schichten zu arbeiten begann, betrug die Zahl der Arbeiter bis 45. 1910 begann das Unternehmen für sich elektrischen Strom zu produzieren. 1917 begann man Strom an Bauernhöfe und dem Gut von Toolamaa zu verkaufen. Leevaku wurde neben Räpina zu einem wichtigen Industriezentrum. Hier befand sich das Gemeindehaus von Toolamaa, 1867 wurde die Dorfschule eröffnet. 1917 begann in Leevaku seine Tätigkeit der private Gesangverein „Edasi“, später wurde er zum Gesang- und Schauspielverein von Leevaku genannt. 1922-1940 war die Bibliothek in Leevaku als Gesellschaft tätig: Es gab eine eigene Volksbibliothek, einen Chor und einen Schauspielverein. In der Milchvereinigung von Leevaku wurde in den 1930er Jahren die beste Exportbutter Estlands hergestellt. Die Torfgesellschaft versorgte die Höfe und die Unternehmen von Leevaku und Räpina (auβer der Papierfabrik, die auf Ölschiefer arbeitete) mit Heizmaterial.

Einer der bedeutendsten Unternehmer in der Geschichte von Leevaku war Artur Reinomägi, der am Anfang der 1920er Jahre in Leevaku mit der Produktion von Ziegelsteinen begann. Leider wurde die Ziegelherstellung bald beendet, weil der örtliche Lehm sich als unqualitativer Rohstoff erwies. Von der Ziegelfabrik ist ein hoher Schornstein mit der Jahreszahl 1923 und Buchstaben AR (Artur Reinomägi) erhalten geblieben – eines der Symbole von Leevaku. 1931 wurde Voldemar Tamman der neue Inhaber des Industrie- und Mühlenhofes in Leevaku, Miteigentümer wurden Karl Eduard Sööt und Theodor Lauri. Im Verlag von Tamman wurde der Kalender von Leevaku herausgegeben. Einer der Begründer der Molkerei und Torfgewinnung war Eduard Peedosk, der zum Hauptbetreuer der Fabriken bestimmt wurde, bis sie 1944 durch einen Brand vernichtet wurden. Leevaku blieb auch von den Kriegsereignissen nicht unberührt. Als im Sommer 1944 die sowjetischen Truppen an den Fluss Võhandu gelangten, gerieten die Mühle, die Gebäude der Fabrik und des Mühlenhofes in Flammen. Alle Industriebetriebe in Leevaku wurden vernichtet. Mit der Annektierung der Estnischen Republik durch die Sowjetunion begann ein neuer Wind zu wehen: der Wiederaufbau des Wasserkraftwerkes von Leevaku wurde 1947 zum ersten Komsomol-Schnellbau in der ESSR. Die Aufbauarbeiten wurden unter der Schirmherrschaft der kommunistischen Jugendorganisation von der Union der Landwirtschaftlichen Genossenschaften von Võrumaa durchgeführt. Unter den Arbeitern war auch der zukünftige Dichter Paul Haavaoks. Der Wiederaufbau des Kraftwerkes wurde Komsomol-Schnellbau genannt, wohin die Höfe von Leevaku und die Nachbargemeinden Arbeiter mit Pferden und zu Fuβ schicken sollten, mit eigenem Proviant und eigenen Werkzeugen. Der Schriftsteller Juhan Smuul hat über den Bau des Kraftwerkes ein Poem geschrieben „Järvesuu poiste brigaad“, die Jahrzehnte zur Pflichtliteratur in den estnischen Schulen gehörte. Das Kraftwerk begann seine Arbeit am 5. November 1947 und produzierte Strom bis zum Jahr 1968. Danach befanden sich im Gebäude das Schulmuseum und der Sportsaal. Seit 1992 ist der Inhaber des Wasserkraftwerkes AS Generaator und in Leevaku wird wieder Strom erzeugt. 1948 wurde in Leevaku ein Kolchos gegründet, der den Namen Komsomol trug und 1958 sich dem Sowchos Ruusa anschloss. In Leevaku befand sich eine Abteilung des Sowchos. Dort wurden Ställe für Schweine-, Milchvieh- und Jungviehzucht gebaut. Aus den Höfen wurden die Tiere nach Leevaku gebracht. 1975 wurde ein Stall für 300 Milchkühe gebaut, insgesamt gab es in der groβen Viehzuchtfarm beinahe 700 Rinder. Durch Konzentration der Produktion an einem Standort wurde das Bedürfnis nach Arbeitskräften gröβer. 1960-1984 wurden in Leevaku sechs Wohnhäuser mit 40 Wohnungen gebaut. Nach Wiedererlangung der Selbständigkeit Estlands wurden 1991 Eigentums- und Landwirtschaftsreformen in Gang gesetzt und die Land- und Eigentumsanteile des Sowchos wurden den ursprünglichen Inhabern oder deren Rechtsnachfolgern (Stand 1940) zurückgegeben. Der Sowchos Ruusa beendete seine Tätigkeit am 1. Mai 1993. Danach wurde AS Leevaku das gröβte Landwirtschaftsunternehmen. Die durchschnittliche Gröβe der Höfe betrug 15 ha, von denen die meisten ihre Tätigkeit bis 2004 beendet hatten. Heute wird Land an gröβere Landwirtschaftsbetriebe gepachtet. In den ehemaligen Ställen der Kollektivwirtschaft wird Milchviehzucht fortgesetzt. Ein groβer Stall ist zu einem Holzverarbeitungsunternehmen umgebaut.

Die Hauptschule Leevaku wurde 1993 zur 4-klassigen Grundschule, die 2001 geschlossen wurde. Zur Zeit befindet sich im Gebäude das Gesellschaftszentrum des Dorfes mit Bibliothek und Internetzugang. In Leevaku gibt es eine Verkaufsstelle der Verbrauchergenossenschaft von Põlva. 2001 wurde ein Dorfverein gegründet und 2009 MTÜ Leevakk. Das Ziel beider Vereine ist die Förderung des Dorflebens in Leevaku.

Sehenswürdigkeiten

Für die Menschen in Leevaku sind das Wasserkraftwerk auf dem Fluβ Võhandu und der über das Dorf ragende Schornstein Symbole, deshalb lautet auch der Erkennungssatz des Dorfes: „Ein Dorf zwischen Fluss und Schornstein“. In den Sommermonaten ist das Wasserkraftwerk für die Besucher von 11 bis 14 Uhr geöffnet, im Werk kann man die Arbeit der Generatoren und Elektro-Messgeräte sehen, auf den Ständen wird eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Dorfes präsentiert.

Hinter dem Wasserkraftwerk führt ein Weg in ein Erholungsgebiet, wo man zelten und schwimmen und einen Wanderweg entlang stromabwärts wandern kann. Eine interessante Sehenwürdigkeit ist der Schornstein von Leevaku – alles, was von der ehemaligen Ziegelsteinfabrik erhalten geblieben ist. Es ist das Einzige, was uns an die Blütezeit der Fabrik erinnert, in der Ziegelsteine, Kacheln und Tongeschirr produziert wurden. Am Fuβe des Schornsteins wurde eine Sauna gebaut und scherzweise kann man sagen, dass diese Sauna den höchsten Schornstein in ganz Estland, warum auch nicht in der ganzen Welt hat.

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