Das Dorf Köstrimäe

Das Dorf Köstrimäe liegt im Landkreis Põlva, in der Gemeinde Räpina. Die Fläche des Dorfes beträgt 9,50 km2 (3,57% der Fläche der Gemeinde Räpina). Die Einwohnerzahl des Dorfes beträgt laut Gemeinderegister 136 Menschen (Stand 01.08.2012). 54 Wohnhäuser sind das ganze Jahr über bewohnt (Stand 2006).

Angeblich hat das Dorf Köstrimäe einen solchen Namen bekommen, weil dort ein Küster gelebt hat. In der Zeitung „Olevik“ konnte man 1885 lesen: „Zwei Werst von der Kirche entfernt ist das Haus des Küsters, auf dessen Grundstück das 1878 gebaute Schulhaus steht. Es ist zwar groβ, aber wie alle Gebäude im Kirchspiel Räpina, ohne Entwurf und schlecht gebaut. Das Grundstück des Küsters grenzt an den Gutshof von Maarja. Es ist ein kleines Landstück mit Rechten eines Gutes, das die Erben von Löwenwolde dem Festnehmer des Mörders ihres Vaters geschenkt haben. Auf dem Grundstück dieses Gutshofes befinden sich alte Grabhügel.“

Unter Grabhügeln wurde der Friedhof von Maarjamõisa gemeint. Der Friedhof liegt an einem Ort, der auch heute unter dem Namen „Maarjamägi“ bekannt ist. Seinerzeit, als die Erben von Löwenmunde das Landstück mit Gutsrecht dem Festnehmer des Mörders ihres Vaters geschenkt haben, wurde dieser Ort „Maarjamõisa“ genannt. 80 Klafter lang und 25 Klafter breit (1 Klafter – Abstand zwischen den Fingerspitzen der ausgestreckten Hände). Der Friedhof Maarjamõisa wurde am Ende des 18. Jahrhunderts auf dem Landstück der Hoflage von Maarjamõisa gegründet, als das Begraben an den Kirchen und Wohnhäusern verboten wurde. Der Friedhof ist heutzutage nicht mehr im Gebrauch. In den 1950er Jahren wurde hier sogar Kies gewonnen, der Ort spielt aber in der Geschichte von Räpina eine bedeutende Rolle – hier haben ihre letzte Ruhestätte Mitglieder der Familie des Gutsherrn, Meister und Gesellen der Papiermühle, unter denen es auch Esten gibt, die damals zu den Spitzenhandwerkern in Europa zählten.

In demselben Dorf liegt noch ein anderer alter Friedhof – der Friedhof von Köstrimäe (Jaamaküla) –, der auch in Vergessenheit geraten ist. Dort ist der Propst Johann Friedrich Heller begraben (1814-1849), der viel zur Entwicklung der estnischen Schriftsprache und Kultur beigetragen hat. Auch Schul- und Bildungsprobleme hatte er sich zur Herzensangelegenheit gemacht.

Beide ehemaligen Friedhöfe sind mit Infotafeln versehen und Volontäre haben dort im Rahmen der Arbeitskampagnen aufgeräumt.

Im kulturell und bildungsgeschichtlich wichtigen Dorf von Köstrimäe sind die Ruinen des zweistöckigen steinernen Gebäudes der Kirchspielschule erhalten geblieben. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hat der Chor der Schulmeister im Schulhaus geübt. Es war der erste Chor im Kirchspiel Räpina. Der Leiter der Schule von Köstrimäe war Schriftsteller, Chorleiter und Kulturschaffender Thomas Undritz (1833-1907). Hier lernten auch Künstler und Schriftsteller Jaan Vahtra und der Komponist und Chorleiter Richard Ritsing.

Im Dorf Köstrimäe befindet sich das Ferienhaus von Maarjamäe, das Unterkunft anbietet.

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