Das Dorf Kõnnu

Das Dorf Kõnnu liegt im Landkreis Põlva in der Gemeinde Räpina. Es ist der Fläche nach das gröβte Dorf in der Gemeinde, seine Fläche beträgt 25,31 km2 (9,52% der Fläche der Gemeinde Räpina). Im Dorf gibt es laut Gemeinderegister 48 Einwohner (Stand 01.08.2012). 17 Wohnhäuser sind das ganze Jahr über bewohnt (Stand 2006).

Kõnd, kõnnu bedeutet „unfruchtbares Land“ oder „ferner Ort“ und wird im täglichen Sprachgebrauch selten verwendet, kommt aber oft in den Ortsnamen vor. Dörfer, die den Namen „Kõnnu“ tragen, gibt es auf der Insel Saaremaa, in den Landkreisen Pärnumaa, Ida-Virumaa, Harjumaa, und ein Dorf sogar in unserer Nachbarschaft, im Landkreis Tartumaa in der Gemeinde Võnnu. Das Dorf Kõnnu in der Gemeinde Räpina liegt im nördlichen Teil der Gemeinde, die Nachbardörfer sind im Osten Naha, im Süden Linte und Raadama, im Westen Mägiotsa. Im Norden bildet das Moor Kalsa die natürliche Grenze des Dorfes, im Südwesten streckt sich das Dorf über die Landstraβe Mägiotsa-Rasina.

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gab es im Dorf reges Leben. Hofwirtschaft war hoch in Ehren, im Dorf gab es eine Windmühle, in der Getreide gemahlen wurde. Es gab einen Dampfkessel und eine Dreschmaschine, die in den Höfen des Dorfes und auch in anderen Dörfern benutzt wurden. Im Dorf gab es drei Schmieden, in denen Ackerbautechnik repariert und Hufe der Pferde beschlagen wurden. Es gab ein lebendiges gesellschaftliches und kulturelles Leben. Es wurden Schauspiele inszeniert und Tanzabende und andere Feste veranstaltet.

Wahrscheinlich gibt es nicht viele Esten, die das Lied „Sauna taga tiigi ääres“ (Am Teich hinter der Sauna) nicht gesungen haben. Es handelt sich um ein Lied, das einen Folklorisierungsprozess durchgemacht hat und sein eigenes Leben führt. Es gibt wenig Leute, die wissen, das der Schöpfer des Liedes Hermann Julius Schmalz (1870-1945) ist, und noch weniger bekannt ist, das der Teich hinter der Sauna an seinem Geburtsort als Inspirationsquelle für das bekannte Lied diente. Marju Kõivupuu schreibt in der Zeitschrift „Mäetagused“ (1999, Nr. 10): Jakob, der Vater von Hermann Julius, stammt aus Võrumaa, aus der Gemeinde Pera, die Mutter Marie aus Paistu. Die Mutter Marie zog in das Dorf Kõnnu aus Karksi-Nuia, wo ihr Mann Jakob als Schankwirt tätig war. Offensichtlich kam das letzte Kind der Familie, Hermann Julius zur Welt im Dorf Kõnnu, wo er den Nicknamen Malzi Härm bekam. Ihr Heim habe auf einem Berg gelegen. Unten in der Koppel am Teich sei der Lieblingsplatz der Kinder gewesen, wo Hermann mit seinem älteren Bruder gern gespielt habe. Zum Schaffen von Schmalz gehört die Gedichtsammlung „Ööpik Võhandu kaldalt ehk Üürikese aja laululind“ mit 33 Gedichten (1894). Beliebter waren seine Seto-thematischen Geschichten und scherzhafte Lieder – Schmalz war ein groβer Verehrer der Seto-Kultur. Das Gedicht „Tiigi ääres“ wurde 1901 in „Nalja laulik“ veröffentlicht und bestand damals aus 11 Zeilen, in jeder Zeile vier Wörter. Ursprünglich lauteten die ersten Zeilen des Gedichtes so:

Sauna taga tiigi ääres

mängis Miku Manniga

Püiavad sääl konnapoegi

ühe poti tükiga…

Im Juli 2002, dank der Sommeraufführung von Aapo Ilves am Fluss Võhandu „Ööpik Võhandu kaldalt“ (Regisseur Raivo Adlas) konnten die Einwohner der Gemeinde Räpina über Hermann Julius Schmalz mehr erfahren. Die erste Sommeraufführung in Räpina erregte unter Medien und Zuschauern groβe Aufmerksamkeit und rief die Tradition der Sommeraufführungen in Räpina ins Leben.

Das Dorf Kõnnu ist ein Berührungspunkt für drei groβe und für die Einwohner von Räpina bekannten Familien: Kirotar, Konsap und Peedosk. In ganz Estland ist der Literaturwissenschaftler Abel Nagelmaa (geboren 1926) bekannt. Er stammt aus einem Dorf mit dem ehemaligen Namen Kureküla, ist Mitglied der Estnischen Literaturgesellschaft. 1998 erhielten Abel Nagelmaa und Heli Laanekask für ihre Monografie „Otto Wilhelm Masingu kirjad Johann Heinrich Rosenplänterile 1814-1832″ (Die Briefe von Otto Wilhelm Masing an Johann Heinrich Rosenplänter 1814-1832) eine wissenschaftliche Prämie der Estnischen Republik.

Sehenswürdigkeiten

In Kõnnu gibt es nicht viele Sehenswürdigkeiten, die Touristen anlocken. Dieses Gebiet ist aber interessant für Dendrologen, denn am Rande des Dorfes in der Nähe des Waldes erhebt sich eine 24 m hohe Eiche von Kalsa, die ihre Zweige weit in den Himmel streckt und unter Naturschutz steht. Es ist bekannt, dass noch im Jahre 1777 im Dorf Kõnnu eine Opferstätte gab, die mit einem Zaun umgeben war. Diejenigen, die gewagt haben, auf die Opferstätte Gaben zu bringen, bekamen 20 Paare Rutenstreiche.

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